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Christoph Greuter
Söhne Nürnbergs Lautenmusik 1525-1558 Christoph Greuter RenaissancelauteNürnberg scheint seit dem Spätmittelalter einen fruchtbaren Nährboden für Kunst und Kultur zu bieten, insbesondere für die Lautenmusik. Die Söhne Nürnbergs – Hans Gerle, Hans Newsidler, Sebastian Ochsenkuhn und Adolf Blyndhamer – geben einen repräsentativen Einblick in die damalige deutsche Lautenmusikpraxis im frühen 16. Jahrhundert. Der Schweizer Lautenist Christoph Greuter zählt zu den wenigen Künstlern, die den Zeitklang (Chronophon) jener Epoche zu deuten und ins Heute zu übertragen verstehen.
The Franconian city of Nuremberg has been a particularly fertile place for art since the late Middle Ages, especially for lute music. Hans Gerle, Hans Newsidler, Sebastian Ochsenkuhn and Adolf Blyndhamer («Nuremberg’s Sons»): Their artistic contribution in the first part of the 16th century is a musical legacy to us, a legacy distinctive of a time reflecting and defining the trend of thought and taste in art. The Swiss lutenist Christoph Greuter has dedicated himself to interpreting the subtile sounds of a time long gone and transposing ancient tunes and airs to a modern world.
Werknotizen
(1) Ich schwing mein Horn <Audio> Intavolierung (Instrumentalversion) eines Jagdliedes von Ludwig Senfl (c1486-c1543) von Hans Gerle 1546. Sie ist eine von drei überlieferten Lautenintavolierungen (weitere bei Hans Newsidler, 1544 + 1549, und Sebastian Ochsenkuhn, 1558). Hans Gerles Version von 1546 gibt das Jagdmotiv in virtuosen Diminutionen dramatisch wieder: «Ich schwing mein Horn in Jammers Ton, Mein Freud ist mir verschwunden, Ich hab gejagt on Abelon, Das Wild lauft vor der Hunden: Ein edel Wild in diesem Gfild, Hab ich mir auserkoren, Es scheucht ab mir, als ich es spür, Mein Jagen ist verloren.»
(2) O felici pensier Ein Madrigal von Costanzo Festa (c1485-1545), ein Meister der niederländischen Kontrapunktik. Festa war der erste italienische Polyphonist mit internationalem Renommée. Hans Gerles Intavolierung für Laute von 1546 ist die einzige bekannte Instrumentalfassung dieses Madrigals und zugleich ein Meisterstück des Nürnbergers, das zeigt, wie sehr die dreistimmige Kontrapunktik idiomatisch für Laute ist.
(3) Es sout ein meskin holen win Ein flämisch-sprachiges Madrigal von Sampson. Als Intavolierung nur bei Hans Gerle, 1546, überliefert.
(4) Das Elslein Das im Dreiertakt geschriebene «Elslein» gehört zu den bekannteren Liedern Ludwig Senfls und wurde von fast allen frühen deutschen Lautenisten intavoliert. Die Version Hans Gerles von 1532 ist die eigenwilligste und bringt reizvollere musikalische Wendungen in Moll.
(5) Priambel Ohne weitere Kennzeichnung verwendet Hans Gerle in seinem Druck von 1532 ein Priambel, das bis auf zwei Passagen exakt einem Priambel von Hans Judenkünig, Wien 1523, entspricht.
(6) Glück eer und gut Ein anonym überliefertes Lied, mit fanfarenartigen Einschüben und Passagen, die an den Orgelpunkt erinnern. Wie viele Intavolierungen von Hans Gerle ist auch Glück eer und gut ein Unikat in den überlieferten Musikdrucken des 16. Jahrhunderts. In dieser Intavolierung von 1533 beweist Gerle sein sicheres Gespür für musikalisch reizvolle Vokalsätze zur instrumentalen Bearbeitung.
(7) Jhesus Christus unser heyland Eine Choral-Motette von Johann Walther (1495-1570), die Hans Gerle in seinem Druck von 1533 zu einer kunstvollen, linear strukturierten Intavolierung verarbeitet, ohne dass der Choralcharakter verloren geht. Johann Walther gilt als Vater der lutherischen Kirchenmusik und ist vor allem für seine Choräle bekannt. Er war nicht nur der erste Kantor der evangelischen Kirche, sondern auch der erste deutsche Komponist, der eine Passion komponierte. Sein Werkschaffen soll Komponisten wie Heinrich Schütz und Johann Sebastian Bach beeinflusst haben.
(8) La mora Isaac Das im Original dreistimmige La mora des frankoflämischen Komponisten Heinrich Isaac (c1450-1517) war eines der populärsten Lieder im späten 15. Jahrhundert. Isaac war einer der universellsten Komponisten, der durch alle kulturellen Zentren Europas reiste und spätere Komponisten nachhaltig beeinflusste. Hans Newsidler hat La Mora in seinem Druck von 1536 gleich zweimal intavoliert bearbeitet. Für die vorliegende Aufnahme wurde die zweistimmige, schnörkellosere Variante gewählt, da sie dem originalen Satz charakterlich näher kommt.
(9) Ach Gott wem soll ich’s klagen Intavolierung von Hans Newsidler, 1536, nach einer Vokalvorlage von Wolfgang Grefinger.
(10) Wascha mesa Dieser seltsam wirkende Titel ohne inhaltliche Bedeutung ist ein Passamezzo und gehört zu den bekanntesten Stücken von Hans Newsidler. Möglicherweise ist der Titel «Wascha mesa» auch eine Verballhornung.
(11) Willig und trew Intavolierung von Hans Gerle, 1546, nach einer Vokalvorlage von Georg Forster.
(12) Plus mille regres Das inhaltliche Motiv dieses Madrigals wurde von vielen Komponisten der Renaissance vertont. Die Version, die Hans Gerle in seinem Druck von 1533 benutzt, basiert auf einem bekannteren Vokalsatz von Josquin Desprez. Gerles Intavolierung ist für ein frühes deutsches Lautenstück ungewöhnlich lange. In ihr baut er geradezu unauffällig eine virtuose Dramatik auf, um bald wieder ruhig zu werden; ein Meisterstück von Gerle.
(13) Ich gieng wol bei der nacht Dem Titel nach einem Volkslied entspringend, trägt das Stück den Charakter von Hans Newsidler Gassenhauer-Stücken. In diesem musikalisch schlichten Stück im Dreiertakt kombiniert Newsidler Plektrumtechnik und Fingertechnik: Akkorde auf dem ersten und dritten Schlag werden mit den Daumen durchgeschlagen und mit schnellen Läuflein verbunden. Schnell gespielt entsteht ein grooviges Stück, das zu rhytmischen Improvisationen geradezu auffordert.
(14) Capitan (O Herre Gott) Dieses Stück scheint eine Intavolierung von Hans Gerle, 1533, nach einer anonymen Vokalvorlage zu sein. Möglicherweise ist es auch eine eigene Fantasie von Gerle.
(15) Saltarello <Audio> Es ist einer wenigen Tänze, die Hans Gerle in seinem Druck von 1546 veröffentlicht. Dem Charakter nach könnte es aus der Feder von Pietro Paolo Borrono stammen, von dem Gerle in seinem späteren Druck 1552 zahlreiche Tänze veröffentlichte.
(16) Adieu mes amours Das beliebte Madrigal von Josquin Desprez haben neben Hans Newsidler auch Lautenisten wie Francesco Spinacino oder Adolf Blyndhamer intavoliert.
(17) Die prünnlein die da fleissen Intavolierung von Hans Newsidler, 1536, nach einer Vokalvorlage von Heinrich Isaac.
(18) Mon cuor (mon) corps Intavolierung von Hans Newsidler, 1549, nach einer Vokalvorlage von Adrian Willaert.
(19) O du armer Judas Intavolierung von Hans Gerle, 1532, nach einer Vokalvorlage von Ludwig Senfl, dem einzigen Schweizer Komponisten, der es im Ausland zu Ruhm gebracht hat.
(20) Chryst ist derstanden Dieses sakrale Motiv gehört zu den beliebtesten der ganzen Musikgeschichte. Adolf Blyndhamers Intavolierung fusst auf einem anonymen Vokalsatz.
(21) Meyn sin und gemüt Diese Intavolierung von Adolf Blyndhamer basiert auf einem anonymen Vokalsatz und ist ein Unikat in der Lautenliteratur.
(22) Ein gut trium Dieses dreistimmige Stück aus dem zweiten Teil von Hans Newsidlers Druck von 1536 ist ein reizvolles Übungstück, um sich im Kontrapunkt zu üben.
(23) La alfonsina Intavolierung von Hans Newsidler, 1536, nach einer Vokalvorlage von Johannes Ghiselin. Das Original taucht bereits 1504 in einem Druck von Ottaviano Petrucci auf.
(24) Mein selb bin ich nit gwaltig mehr Intavolierung von Sebastian Ochsenkuhn, nach einer Vokalvorlage von Ludwig Senfl. Das Lied intavolierte zuvor schon Hans Gerle für seine beiden Drucke von 1532 und 1533.
(25) Herr Gott lass Dich erbarmen Intavolierung von Sebastian Ochsenkuhn, 1558, nach einer Vokalvorlage von Heinrich Isaac. Das Lied ist besser bekannt unter dem Titel «Innsbruck ich muss dich lassen».
(26–27) Mein einigs A./ Zucht ehr und lob <Audio> Diese beiden Stücke gehören zu den bekanntesten von Paul Hofhaimer und dienten als Grundlage für viele Intavolierungen von Komponisten der deutschen Renaissance. Hans Newsidler hat von beiden Stücken je zwei Versionen geschaffen, von denen die auf «Söhne Nürnbergs» eingespielten, lediglich zweistimmigen Versionen dem Charakter der originalen Vokalsätze näher kommen.
(28) Ein guts hofftentzlein Dieser Tanz mit Nachtantz im Dreiertakt gehört zu den bekannteren Stücken Newsidlers. Wie viele andere deutsche Lautentänze auch basiert dieses Stück auf einem Basse-Danse-Modell. Solche Tänze scheinen in der Bevölkerung äusserst beliebt gewesen zu sein.
(29) Ic seg adiu Ein schlichtes, dreistimmiges französisches Chanson eines anonymen Komponisten. In seinem Druck von 1544 bringt Hans Newsidler mehr französische Musik als noch 1536. Dieses Abschiedslied ist typisch für die Galanterie französischer Chansons der Renaissance.
Christoph Greuter
| Genre: | Musik CD |
| Erscheinungstermin: | 01.01.1970 |
| Preis: | 25,90 |
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